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Schlussworte zu meiner Reise

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Es warten noch ein paar von euch auf ein Fazit, ein Ende meines Berichts. Ich tue mich damit sehr schwer, weshalb ich mir damit auch sehr viel Zeit gelassen habe. Da unser Bau aber schon auf dem Weg in die erste Kurve ist, möchte ich das hier abschließen und danach ein bisschen vom Hausbau berichten.

Ich denke noch sehr oft an die schöne Zeit in Korea zurück. Vor allem nachdem ich vor einer Woche lieben Besuch aus Kopenhagen bei mir hatte. Was Kopenhagen mit Korea zu tun hat? Na klar, ihr wisst es schon. Eine der Adoptierten die ich in Seoul kennengelernt habe lebt dort. Maja war mit mir auf dem FTH und ist zu einer guten Freundin geworden. Wie sehr habe ich mich gefreut, dass sie hier war. Wir haben sehr viel geredet und dabei ist mir nochmal mehr bewusst geworden, dass niemand der nicht selbst adoptiert ist, mich wirklich verstehen kann. Wir haben so viele ähnliche Gedanken mit uns herumgeschleppt, seit wir zurück sind. Vor allem die Erkenntnis, dass es schwer fällt mit anderen über das Erlebte zu reden.

Viele Menschen haben mich angesprochen, seit ich wieder da bin. Diejenigen die den Blog nicht gelesen haben, fragen mich, ob ich einen schönen Urlaub hatte. Und die meisten Leser hier fragen mich, ob ich froh bin die Reise gemacht zu haben und endlich dieses Kapitel abschließen zu können. Beide Fragen überfordern mich immer ein wenig. Urlaub? Haha, selten soviel geheult im Urlaub. Aber zu erklären, dass es eben kein Urlaub war, ist mir dann auch zu mühsam. Also nicke ich meist nur und wechsle das Thema. Bin ich froh? Ja, ich bin sehr froh. Denn ich habe gelernt, dass Korea sehr sehenswert ist. Und dass Korea ein Teil von mir ist. Und damit meine ich nicht nur den offensichtlichen Teil, nein, Korea ist tief in mir verwurzelt, so wie ich meine Wurzeln in Korea habe. Ein Teil von mir ist auch dort geblieben, um meine ausgerissenen Wurzeln wieder wachsen zu lassen und die Wunden zu heilen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Teil von mir zurückgelassen habe oder ob er mir schon immer fehlte und ich ihn nun gefunden habe. Ich bin mir mit vielem nicht sicher und eigentlich habe ich nun viel mehr Fragen als vorher. Meine Gefühle drehen sich auch noch immer im Kreis. Doch die Wut und die Enttäuschung treten in den Hintergrund, wenn ich daran denke wie viele nette Menschen ich getroffen habe und wie viele neue Freunde ich gewonnen habe. So kann ich sagen, die Reise hat sich gelohnt. Aber die Suche, die ich nicht vorbei. Die ist niemals vorbei, denn die schwarzen Lücken in meinem Leben bleiben und sie verlangen immer mal wieder danach gefüllt zu werden. Und wer weiß, vielleicht überlegt dieser Mann es sich anders und es fällt ihm plötzlich ein, dass er doch einst eine Tochter hatte. Oder die Gesetze in Korea werden zugunsten der Adoptierten geändert. Es gibt viele Möglichkeiten und es kann alles passieren. Nur eins ist gewiss, ich weiß nun, dass auch Korea in mir steckt und dass ich diese bisher unbekannte Seite weiter pflegen möchte. Darum bin ich sehr froh ein paar koreanische Freunde an meiner Seite zu haben, die die Koreanerin in mir lebendig halten.

Ich danke euch noch einmal fürs Mitlesen und Mitfühlen. Es hat mir oft geholfen, zu wissen, dass ich nicht alleine bin, sondern Menschen habe, die hinter mir stehen. Allen voran natürlich meine Familie, ich liebe euch.

Ein Gedanke zu „Schlussworte zu meiner Reise“

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